Schon lange hatte ich mir vorgenommen, mal eine orthopädische Kur zu beantragen, weil ich ständig Ärger mit Verspannungen und anderen Dingen habe.
Im Februar dieses Jahres stellte ich endlich diesen Antrag und wer hätte das gedacht, die Bearbeitung ging sehr schnell und unproblematisch. Das lag wohl vor allem an der geschickten Begründung meines Hausarztes.
Die Klinik „Am Homberg“ in Bad Wildungen wurde mir zugewiesen und ich fragte mich nicht nur einmal, was da wohl auf mich zukommen würde. Einige Male rief ich vorher die Klinik an, um dies und das nachzufragen: Was sollte ich mitbringen? Welche Angebote gibt es? Und und und …
Eine Begleitung war mir ebenfalls genehmigt worden, aber weil alle meine Freunde und Bekannten arbeiten mussten, war das ein Satz mit X. Ich fuhr also allein.
Schon die Abholung vom Bahnhof klappte reibungslos, ich wurde an der Rezeption „abgegeben“ und von da an kümmerte sich Schwester Silke von Station 2, auf der ich untergebracht wurde, um mich. Sie zeigte mir mein Zimmer, die wichtigsten Räume und die ersten Wege. Dann hatte ich, nach einem leckeren Mittagessen, eineinhalb Stunden zum Ausruhen, bevor das Arztaufnahmegespräch anstand.
Lustige Namen hatten die Ärzte hier: Dr. Hunger und meiner hieß Dr. Wüst, war aber ganz einfühlsam. Im Gespräch wurde die Krankengeschichte erfragt, vor allem aber GEMEINSAM die Therapie besprochen und geplant. Danach wurde dann der Therapieplan erstellt. Dieser wurde später immer wieder Wünschen und Erfordernissen angepasst und da hatte ich als Patientin eine Menge mitzubestimmen. Wenn z.B. eine Therapie mir nicht zusagte oder keinen Nutzen brachte, wurde sie ausgetauscht oder auch ersatzlos gestrichen.
Viel stand bei mir drauf: Massage, Einzelkrankengymnastik, Wirbelsäulengruppe im Wasser und in der Halle, Moorpackungen, Melissebäder, Rückenschule, Entspannung nach Jakobson, nordic walking, na, vielleicht habe ich sogar noch etwas vergessen.
Besonderen Spaß, aber auch besonderen Nutzen, brachte mir die Arbeit mit einem jungen Krankengymnasten. Hier passten Können und Person einfach zusammen, und er schaffte Sachen, die bei mir bisher unmöglich gewesen waren. Auch unser gemeinsames nordic walking war eine lustige und spritzige Sache. Spritzig auch, weil wir einmal vom Regen so nass waren, dass wir keinen trockenen Faden mehr am Körper hatten.
Noch eine unbekannte Erfahrung machte ich: Es gibt auch Ernährungsberatungen, die nicht trocken und langweilig sein müssen. Im Gegenteil: Die Lachmuskeln wurden dabei heftig beansprucht. Vielleicht lag es daran, dass ich in dieser Zeit acht kg abgenommen habe und das, obwohl ich ein wasserbindendes Medikament nehmen muss, das eigentlich nur höchstens sechs Kilo im Jahr zulässt. Keines dieser Kilos habe ich bis jetzt wieder drauf, im Gegenteil, es geht weiter abwärts, wenn auch nicht so schnell.
Die Sauna, das Schwimm- und das Bewegungsbad, alles durfte ich, auch als Blinde, allein benutzen und hatte so auch abends immer was zu tun.
Am Wochenende bestand die Gelegenheit zu langen Wanderungen und interessanten Fahrten in die Gegend und auch an diesen Dingen konnte ich allein teilnehmen. Am Ende war ich richtig froh, diesen Aufenthalt ohne Begleitperson gemacht zu haben.
Ob medizinisches oder Servicepersonal, keiner hatte in dieser Klinik schon einmal Erfahrungen mit Blinden gemacht. Die selbstverständliche und offene Hilfe, die mir entgegengebracht wurde, ließ dies allerdings nicht vermuten.